Jeff Buckley - "Last Goodbye" | Music Monday #90

17 Oktober 2016

Oft schreie ich, Katharina, ja, dass die 1990er Jahre musiktechnisch nicht all zu viel Nachhaltiges zu bieten hatten. Ich wurde jedoch inzwischen eines Besseren belehrt und möchte heute jenen längst vergessenen - und vielleicht auch irgendwie nie in Europa angekommenen - amerikanischen Künstler vorstellen, der mich ein wenig mit den 1990ern versöhnt hat: Jeff Buckley. Die Chancen stehen sogar ganz gut, dass ihr seinen bekanntesten Song, eine markerschütternde Interpretation von Leonard Cohens "Hallelujah", schon einmal gehört habt. Aber seine eigene Musik...? Aus diesem Grund habe ich euch heute eine wundervolle Herzschmerz-Ballade und damit zugleich einen Abgesang auf den Sommer, das Wochenende und überhaupt herausgesucht. 

Jeff Buckley war einer dieser talentierten, aber wohl wahnsinnig unglücklichen Musiker, der den Eintritt in den Club der 27er um wenige Jahre überschritten hat und der 1997 mit nur 31 Jahren verstorben ist. Liest man Jeff Buckleys Biographie kann man irgendwie gar nicht glauben, dass sein Name und seine Musik in unseren Breitengraden so wenig geläufig ist. Die ihm posthum gewidmeten Songs etablierter Künstler wie Chris Cornell, Glen Hansard oder Hole sind deutliches Zeichen seines Stellenwertes. Die geringe Bekanntheit hängt letztendlich wohl auch damit zusammen, dass er zu Lebzeiten nur ein einziges Studioalbum vollenden konnte. Wie zu erwarten stammt genau von diesem dann auch unser heutiger Montagssong: Last Goodbye.
 
Jeff Buckley - "Last Goodbye"

This is our last goodbye
I hate to feel the love between us die
But it's over

Über zwanzig Jahre alt und doch hat der Song nichts von seiner Energie verloren. Er wirkt einerseits gerade nicht aus der Zeit gefallen, andererseits ist er doch unglaublich wiedererkennbar 90ies. Kein Wunder, dass er für mich der perfekte Titelsong für einen 1990er Jahre Coming-of-Age-Film sein könnte (Reality Bites lässt grüßen). Aber später mehr dazu.
 
Ein 1-minütiges Intro, die weiche, verletzliche Stimme eines melancholisch-verträumten Sängers dazu Streicher. Später dann der Bruch mit vorsichtigen Grungetönen, unsaubere Gitarren. Insgesamt ein sehr klassischer Songaufbau kombiniert mit mal flirrenden, mal auf den Punkt gebrachten Gitarren. Einerseits schmachtend-theatralisch, andererseits rau und gewiss. Eine pure Hymne der Zerrissenheit und Endgültigkeit. Ein Song, in dem man sich ohne Angst verletzt zu werden wohlig einnisten kann mit seinem wunderbar leichten Schwermut.

Just hear this and then I'll go:
You gave me more to live for
More than you'll ever know


Man muss noch gar nicht weit in das Video hineingeschaut haben, da fallen einem die ersten Vorboten der 1990er auf, ja man wird optisch quasi erschlagen von jeder Menge 90ies-Vibes: Im Studio gefilmt, eine Leinwand mit flackernden Bildern im Hintergrund, ein bisschen Wasserfalleffekte, die wackelige Handkamera im Anschlag dazu jede Menge Flanell-Power und ihr habt alle Zutaten für ein erfolgreiches Musikvideo dieser Zeit. Smells ein klein wenig like teen spirit, right? Doch was ist das genau?
 
Für mich ist "Last Goodbye" geradezu die Verkörperung der 90er, dieser orientierungslosen und doch unbeschwerten Generation. Punk war durch, der Körperkult und das over-the-top der 80er war gerade vorbei und vom Internet noch nichts zu sehen. In der Form von Grunge haben es die 90er irgendwie geschafft einerseits ganz großes Gefühlskino anzubieten (Liebe, Leben, Tod) und trotzdem alles ziemlich down-to-earth und bescheiden wirken zu lassen. Eine einzigartige Magie, die mich heute noch anspricht.

Did you say "No, this can't happen to me"?
And did you rush to the phone to call?
Was there a voice unkind in the back of your mind
Saying maybe you didn't know him at all?
You didn't know him at all, oh, you didn't know


Und nun ist es wieder Zeit euch zu fragen: Könnt ihr meine Faszination mit Jeff Buckley nachvollziehen? Wenn ja, empfehle ich euch das komplette Album "Grace" anzuhören. Dort geht es dann auch deutlich rauer und weniger hymnisch zu. Ein wunderbares Album für den Herbst! Jeff Buckley zweites Album versprach experimenteller und bluesiger zu werden. Schade, dass es nie soweit gekommen ist.

Alles Liebe und Positive für die Woche!
Eure Katharina

Kommentare:

  1. Hi Katharina... ein schöner Song... irgendwie macht die Melodie gute Laune, zumindest kam es mir gerade so vor. So ein bisschen erinnert mich der Song daran, dass ich auch mal wieder Gitarre spielen und singen sollte... ach ja wenn die Zeit nicht so rennen würde.
    Glg Tina

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    1. Hallo liebste Tina!

      Das ist total fantastisch, was du da schreibst! Ich habe mir den Song jetzt noch mal unter dem Aspekt angehört und ja: Die unterschiedlichen Gitarren hört man wirklich super bis zum Ende einzeln raus. Schön, dass du so eine tolle Assoziation hattest. Irgendwie geht es mir jetzt grad auch ein bissel so, ha. Wenn man die Zeit dann aber mal gefunden hat, ist es umso belebender und erstaunlich, was man alles noch kann.

      Es freut mich, dass die der Song gefällt und dass du auch leichte Seite raushörst.

      Alles, wirklich alles Liebe für die Woche und erstmal einen schönen Montagabend!
      Katharina
      💜💜💜

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  2. Was für ein schöner Text <3 Ich liebe Jeff Buckleys Version von "Halleluja", einfach herzzerreißend <3
    Liebe Grüße!
    LIANA LAURIE

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    1. Hallo Anna,

      Freut mich sehr, dass dir das Lied gefällt! Seine Version von Halleluja ist Wirklichkeiten bewegend und manchmal fast gar nicht auszuhalten.

      Liebe Grüße und noch einen schönen Abend
      Katharina

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  3. Ich bin absolut verliebt in deinen Text, könnte mich darin verlieren. Genauso geht's mir auch mit dem Songtext, wobei der Track an sich für mich nichts ist. Jeff Buckley ist für mich auch nur mit Hallelujah verbunden, obwohl da doch wohl viel, viel mehr dahintersteckt. Es ist immer so schade, wenn man nur ganz wenig von einem Künstler kennt, der vielleicht so viel mehr sein könnte.

    Die Vibes kamen an. Alles Liebe <3

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    1. Danke, danke, danke für das tolle Kompliment. Es freut mich immer wieder Dieters zu lesen, auch oder gerade nach all der Zeit mit dieser Reihe.

      Oh, ich war sehr gespannt, wie du den Track finden würdest. Sehr interessant, was du schreibst! Geht das, den Text mögen (der ja zum Teil auch am Song hängt) und den Song nicht? 😅 Sind es die 90ies Vibes, die dich letztendlich gekriegt haben? Das würde mich sehr interessieren...

      Alles Liebe
      Katharina

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